COPYRIGHT Karin Behr / PubliXviewinG

Freitags-Foto: Lesen ohne Atomstrom

Blues-Ikone Abi Wallenstein, Liedermacher Eddy Winkelmann, Plattdeutsch-Legende Gerd Spiekermann, ‚Jedermann‘-Teufel Erik Schäffler, Lilo Wanders und Stephan Gwildis – in Szene gesetzt vom unvergleichlichen Nils Loenicker alias ‚Bauer Hader‘ – rockten mehr als zwei Stunden das Ausflugsschiff ‚MS Commodore‘. Im Bild: Erik Schäffler

Lesenswert: „Störfälle“ von Gudrun Gülden

In erster Linie ist es ein Entwicklungsroman, aber einer aus einer sehr politischen Zeit, mit einem ebenso politischen Setting:

Deutschland, Januar 1979. Die deutsche Anti-Atomkraftbewegung kommt in Bewegung. In Kleinbeken im Ruhrgebiet ist nicht allzu viel davon zu spüren. Die meiste Zeit hängt die Möchtegernaktivistin Dine mit ihrem Sandkastenfreund Andi vor dem Büdchen ihres Dorfes ab und trinkt Apfelkorn.

Immerhin gibt es ein paar Restschwingungen der Hippieära. Dine und ihre beste Freundin Lissi, beide siebzehn Jahre alt, schließen sich ein paar Hippiejungs an, kiffen, hören Carlos Santana und fahren mit einem Bulli durch die Gegend, nebenbei machen sie Abi. Dine liebt ihren Geschichtslehrer, allerdings liebt der sie nicht. Dann lernt sie Kuba kennen, einen Studenten aus Hamburg und landet schließlich in der „Freien Republik Wendland“ – einem historischen Höhepunkt der Antiatombewegung.

Die Geschichte selbst ist in einer recht einfachen, klaren, schnörkellosen Sprache geschrieben, bietet reichlich Situationskomik und für jeden aus der 60er-Generation auf fast jeder Seite Erinnerungsflashs, oft politisch wie die Antiatomdemos, aber auch kulturell (Glamrock, Baghwan & Co.)

Ein interessante Roman für alle, die damals dabei waren – und für jene, die wissen wollen, wie ihre Eltern damals so tickten. Ein politisches Buch, aber eines mit hohem Unterhaltungswert und ohne jeden moralischen Zeigefinger. Die etwas andere Strandlektüre für den kommenden Sommer:

Gudrun Gülden: Störfälle
epubli Verlag, 2017
368 Seiten, EUR 11,99,-

Im örtlichen Buchhandel (besser) oder bei Amazon (wenn’s sein muss)

Andreas Conradt / PubliXviewinG

Freitags-Foto: Gorlebener Gebet

Seit 1989 feiert die Ökumenische Initiative „Gorlebener Gebet“ jeden Sonntag unter freiem Himmel einen Gottesdienst in Sichtweite des so genannten Erkundungsbergwerks im Wald bei Gorleben. Dabei ist noch kein einziges Gebet ausgefallen. Im Bild: Landesbischof Ralf Meister, mit dem ich zweieinhalb Jahre in der Endlagerkommission zusammenarbeiten durfte.

Foto: Tim Christensen / ROBIN WOOD

ROBIN WOOD Aktion gegen Atomtransporte in Hamburg

Am 11. April 2017 sind ROBIN WOOD-AktivistInnen den Hamburger Grünen aufs Dach gestiegen, um politisch Druck zu machen für einen Stopp der Atomtransporte durch Hamburg. Zwei Frauen seilten sich gegen 11 Uhr am Bürohaus des Landesverbands der Partei in der Burchardstraße ab und entrollten Banner mit einem Atom-Totenkopf sowie der Forderung: „Urantransporte stoppen! Sofort!“

„Seit knapp zwei Jahren sind die Grünen in der Regierung, und noch immer fahren Woche für Woche Atomtransporte durch Hamburg. Das ist ein Armutszeugnis für eine Partei, die sich den Atomausstieg auf die Fahnen schreibt“, sagt ROBIN WOOD-Aktivistin Cécile Lecomte.

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Sommerakademie: Atomares Erbe

Der atomkritische Sachverstand in Deutschland kommt in die Jahre. Viele der Experten, die der Anti-Atom-Bewegung nahestehen, sind schon Jahrzehnte dabei.

Bisher sind zu wenige Nachfolger in Sicht. Deshalb organisiert der Trägerkreis „Atommüllreport“ eine Sommerakademie „Atomares Erbe – Herausforderungen für die nächste Generation“ vom 2. bis 6. August in Wolfenbüttel.

Welches atomare Erbe hinterlassen wir künftigen Generationen? Dieser Frage sollen eine interdisziplinäre Gruppe von Studenten und jungen Wissenschaftlern bei der Sommerakademie nachgehen. Ausgewiesene Experten geben eine Einführung in die Probleme bei Umgang und Lagerung radioaktiver Abfälle und zeigen berufliche Perspektiven auf.

Weitere Informationen und Anmeldung

Atommüll: Der verschollene Diskurs

Beteiligen wollte man die Öffentlichkeit. Umfangreich. Wertschätzend. Transparent. Dauerhaft und offen insbesondere für kritische Stimmen. Dieser Anspruch wurde von den Mitgliedern der Endlagerkommission, von den Vetretern der Bundestagsfraktionen, den zuständigen Ämtern und Ministerien in den vergangenen drei Jahren unisono formuliert.

In diesen drei Jahren wurde der „Neustart“ in der Endlagersuche vorbereitet. Im Rahmen einer so breit nie zuvor besetzten Kommission. Allein drei verschiedene Online-Beteiligungsplattformen brachte diese Kommission an den Start. Noch vor dem Ende ihrer Arbeit im vergangenen Sommer mahnte sie, dass die dort zunächst nur zart erblühende Debattenkultur unbedingt eine nahtlose Forstsetzung finden müsse.

Eigens aus diesem Grunde wurde das „Nationale Begleitgremium“, eigentlich erst mit dem Neustart der Endlagersuche geplant, vorgezogen und noch im letzten Jahr eingesetzt. Es sollte, so der Wille der Kommission, deren Onlineplattform übernehmen und nahtlos weiterführen.

Geschehen ist: Nichts …

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Atommüll-Endlager: Die heißesten Standort-Kandidaten

 

Die „neue“ Endlagersuche hat begonnen. Die Institutionen haben Ihre Arbeit aufgenommen,  auch das Nationale Begleitgremium (NBG) arbeitet. Letzteres soll die Transparenz und Partizipation im Verfahren sicherstellen. Aktuell ist von beidem noch wenig zu sehen. Das NBG ist erst einmal damit beschäftigt, seine Abteilung „Öffentlichkeitsarbeit“ zusammenzustellen, wie Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings und NBG-Mitglied, betont.

Während es also mit der Beteiligung also eher gemächlich vorangeht, ist  bekannt, dass hinter den Kulissen schon unter Hochdruck an der Zusammenstellung der Auswahlregionen gearbeitet wird.

Offiziell beginnt die Suche mit einer „weißen Landkarte“, das war Konsens in der Endlagerkommission, die das Verfahren neu aufgestellt hat. Klar ist jedoch auch, dass 90% der Bundesrepublik aus geologischen Gründen rasch aus dem Verfahren ausscheiden werden, weil dort schlicht nicht das Wirtsgestein vorkommt, dass für ein tiefengeologisches Endlager benötigt wird.

Was bleibt also übrig? Welche Regionen könnte es treffen?

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat bereits vor Jahren potentielle Regionen lokalisiert, wie die obige Karte zeigt.

Da geologische Formationen sich nicht in wenigen jähren grundlegend ändern und Deutschland geologisch nahezu flächendeckend erfasst ist, gibt uns diese Karte genügend Hinweise. Insbesondere Niedersachsen, aber auch Baden-Württemberg und im Osten Teile von Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind heiße Anwärter auf den Status „Auswahlregion“ und damit eingehender Erkundungsvorhaben.

Da bundesweit wohl noch einige Zeit bis zu umfassenden Partizipationsmöglichkeiten vergehen wird, kann man den betroffenen Bundesländern nur empfehlen, schon jetzt Beteiligungsprozesse anzustoßen, um frühzeitig eine partizipative Verfahrensbegleitung zu realisieren.

Denn die Erfahrung zeigt: Je später Beteiligung angeboten wird, desto verhärteter sind die Fronten …

Immer weniger Atomstrom im europäischen Netz | Quelle: glasseyes view

Atomenergieanteil sinkt europaweit

Die Strommenge, die in Atomkraftwerken der EU produziert worden ist, war 2016 auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Grund dafür sind nicht etwa politischen Entscheidungen, sondern Produktionsausfälle aufgrund technischer Probleme – das berichtet aktuell die TAZ.

Vor allem Frankreich hatte mit vielen Ausfällen zu kämpfen. Im Vergleich zum Vorjahr wurde acht Prozent weniger Strom produziert. Dieser Trend setzt sich auch 2017 fort. In den ersten zwei Monaten sank die Produktion um sechs Prozent.

Auch in der Schweiz trugen wegen Stillständen deutlich weniger Atommeiler zur Stromproduktion bei. Nur Belgien hat trotz Sicherheitsbedenken wieder vermehrt auf Atomenergie gesetzt.

Europaweit hat Atomenergie einen Anteil von 26 Prozent am Strommix – weniger als die Erneuerbaren Energien (30 Prozent)