Heute vor 16 Jahren: Atomunfall in der Wiederaufbereitungsanlage von Tokai-mura

Am 30. September 1999 wurden bei einem Unfall in der japanischen Wiederaufbereitungsanlage Tokai-mura 667 Menschen verstrahlt, zwei von ihnen starben innerhalb kürzester Zeit an den Folgen der radioaktiven Belastung.

In der Anlage wurde Mischoxid-Brennstoff für den Brüter in Joyo (Japan) hergestellt. An diesem Tag füllten die Arbeiter jedoch anstatt der erlaubten 2,4 Kilogramm die siebenfache Menge an Uran in den Präzipitationsbehälter.

Es entstand eine kritische Masse, die eine atomare Kettenreaktion auslöste und innerhalb von 20 Stunden große Mengen an Strahlung freisetzte. Zudem bildete sich eine radioaktive Wolke, die strahlende Ido-131 Partikel enthielt. Daraufhin mussten mehr als 1100 Personen evakuiert werden und 310.000 Menschen im Umkreis von zehn Kilometern durften ihre Häuser nicht verlassen.

Spätere Untersuchungen ergaben, dass die Betreiber die unsicheren Verfahren zuließen, um Zeit und Geld zu sparen. Außerdem stellte sich heraus, dass die Arbeiter nicht ausreichend qualifiziert waren, Notfallmaßnahmen nicht geübt wurden und es auch keine Katastrophenpläne gab.

Bevor die Katastrophe in Fukushima geschah, war dies der schlimmste atomare Unfall in Japan.
Bild: Kontaminierte Osturalspur (c) Jan Rieke / commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0

Heute vor 58 Jahren: Katastrophe bei Kyschtym

Am 29. September 1957 ereignete sich der drittschwerste AKW-Unfall der Geschichte – nach Tschernobyl und Fukushima – in Kajak. Er wurde mit INES 6 eingestuft.

Die kerntechnische Anlage Kajak liegt im Südural, 15 Kilometer östlich der Kleinstadt Kyschtym. Sie war als erste sowjetische Produktionsstätte für spaltbares Material eine der wichtigsten Anlagen der ehemaligen Sowjetunion. Das Gelände der Anlage umfasste knapp 90 Quadratkilometer.

Erst 1990 wurde bekannt, dass dort eine Katastrophe stattgefunden hatte, da in Zeiten des Kalten Krieges solche Anlagen und Ereignisse unter strikter Geheimhaltung standen. Der Unfall ist auch ein Paradebeispiel für die Nichteinhaltung von Sicherheitsstandards bei solchen geheimen Projekten.

In Kajak gab es insgesamt zehn Reaktoren unterschiedlichster Bauart, wovon zwei bis heute in Betrieb sind. Der Unfall selbst ereignete sich nicht in einem Reaktor, sondern in einem Stahltank für radioaktive Rückstände aus den Brennelementen.

Die schwach- bis mittelradioaktiven Abwässer des Reaktors und der Aufbereitung wurden direkt in künstliche Gewässer, später in den Fluss Tetscha und am Ende in den Karatschaj-See geleitet.
Dieser hochgradig kontaminierte See trocknete während einer Dürre – zehn Jahre nach der Katastrophe – komplett aus. Der dadurch entstandene Staub belastete Hunderttausende Menschen.

Der ehemalige See ist heute absolutes Sperrgebiet.

Die bereits weiter oben angesprochenen hochradioaktiven Abwässer wurden in einem großen, unterirdischen Stahltank (300 Kubikmeter Fassungsvermögen) gesammelt. Da die Isotope des verseuchten Wassers eine große Nachzerfallswärme hatten, musste der Tank permanent gekühlt werden.

Schon ein Jahr vor dem Unfall war bereits die Kühlleitung des Tanks undicht geworden. Die radioaktive Flüssigkeit trocknete langsam im Tank aus und bildete hochexplosive Acetat- und Nitratsalze. 1957 löste schließlich der Funken eines Kontrollgerätes eine schwerwiegende Explosion aus. Knapp 100 Tonnen radioaktiver Substanzen wurden dabei bis zu einen Kilometer hoch in die Luft geschleudert. Noch Kilometer vom Unglücksort entfernt zerbrachen Fensterscheiben und der Nachthimmel leuchtete bläulich. Der Bevölkerung wurde dieses Phänomen als Wetterleuchten oder Nordlichtern verkauft.

Die großen Mengen an Cäsium-137 und Strontitium-90, die durch die Explosion freigesetzt wurden, verbreiteten teilweise aufgrund des starken Nordwindes in einer 300 Kilometer langen und bis zu 50 Kilometern breiten Schneise. Insgesamt 270.000 ahnungslose Einwohner wurden den Strahlen ausgesetzt.

Bild: AKW Greifswald (c) Harald909 / commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0

Rückbau des AKW Lubmin

Die für Reaktorsicherheit zuständige Umweltministerin Hendricks besuchte das stillgelegte AKW Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Der Atomausstieg und die Komplikationen, die er mit sich bringt sind an diesem Standort gut ersichtlich.

Das AKW Lubmin, in der DDR „Bruno Leuschner“ genannt war der größte Atomkomplex der DDR. Dieser stand nach der Wende vor dem Aus – von einem Tag auf den Anderen.
Seit 20 Jahren ist der Abriss hier schon im Gange.

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Bild: Schaufelradbagger 288 im Braunkohletagebau Garzweiler (c) Martin Röll / commons.wikimedia.org, CC BY-SA 2.5

Und es geht doch: Verzicht auf Kohle und Kernkraft

Eine brandaktuelle Studie hat ermittelt, dass ergänzend zum Ausstieg aus der Kernenergie alle Kohle-Kraftwerke in Deutschland bis 2040 abgeschaltet werden könnten, ohne die Stromversorgung zu gefährden.

Die Studie wurde von den Professoren Uwe Leprich vom Institut für Zukunftsenergiesysteme in Saarbrücken und Stefan Klinski von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin im Auftrag der Landesregierung von Rheinland-Pfalz erstellt und ist hier im Original zu lesen.

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BBLOG | Der Beteiligungsblog geht online

Ab sofort online: BBLOG | Der Beteiligungsblog – das neue, umfassende Webmagazin zum Thema Bürgerbeteiligung mit aktuellen Berichten über aktuelle Beteiligungsverfahren und Neuigkeiten aus Wissenschaft und Forschung. Interessante Interviews und ausführliche Hintergrundartikel runden das Angebot ab – ebenso wie eine Methodendatenbank und viele andere Angebote mehr.

Das Webmagazin wird von der Deutschen Umweltstiftung gefördert, ist werbefrei und vollständig kostenlos.

Schauen Sie mal rein. Es lohnt sich. Übrigens: Wir freuen uns über Interessenten, über Gastbeiträge sowie über Menschen, die in unserer ehrenamtlichen Redaktion mitarbeiten wollen.

Bild: Tschernobyl-Reaktor (c) Carl Montgomery / commons.wikimedia.org, CC BY 2.0

Heute vor 33 Jahren: Die Katastrophe vor der Katastrophe

Heute vor 33 Jahren gab es  den ersten Störfall in Tschernobyl. Untrennbar ist der Begriff „Tschernobyl“ in unseren Köpfen mit der schweren, atomaren Katastrophe, die sich 1986 in dem Kernkraftwerk nahe der ukrainischen Stadt Prypjat ereignete, verknüpft. Viele erinnern sich noch deutlich an die Schreckensbilder, die Tage, Monate und Jahre nach dem Super-GAU veröffentlicht wurden. Detonierte Gebäude, Arbeiter in dicken Schutzanzügen und am schlimmsten: aufgrund der Strahlung missgebildete Kinder. Was oft nicht bekannt ist:  Bereits 1982, also rund vier Jahre vor der eigentlichen Katastrophe, kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl zu einem gravierenden Störfall. Menschliches Versagen führte im ersten Reaktorblock zu einer Überhitzung. Dadurch wurden radioaktive Gase freigesetzt. Mehrere Arbeiter, die im Zuge der Reparaturarbeiten am Reaktor beschäftigt waren, wurden hohen Strahlendosen ausgesetzt und auch in Prypjat konnte erhöhte Radioaktivität gemessen werden. Ein besorgniserregender Zwischenfall, der auf der INES-Skala mit 5 bewertet, also als ernster Unfall eingestuft wurde. Im Nachhinein jedoch wirkt der Vorfall wie ein aberwitziger Bote für die eigentliche Katastrophe …