Heiliger Sankt Florian …

… verschon ‚mein Haus, zünd’ andere an. Wer kennt es nicht, das St. Florians-Prinzip. Gerade bei der Suche nach Standortmöglichkeiten für ein Atommüll-Endlager erleben wir dieses Verhalten schon länger.

Verständlich, dass sich keine Region Deutschlands darum reißt, auf die Auswahlliste zu kommen. Unverständlich aber zum Teil, mit welchen Argumenten da argumentiert – oder zum Teil die eigene Bevölkerung unberechtigt in Sicherheit gewogen wird.

Die Liste der Gründe ist lang, die ich als Mitglied der Endlagerkommission in den letzten Wochen lesen oder hören dürfe.

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Bild: App AKW-Finder von Moritz Meschonat

iPhone APP „AKW-Finder“

In gedruckter Form hat die Deutsche Umweltstiftung schon vor Jahren den „AKW-Gefährdungsatlas“ veröffentlicht. Er ist nach wie vor beliebt und hier auch als digitale PDF erhältlich.

Heute möchte ich eine Umsetzung als iPhone-App empfehlen: Der „AKW-Finder“ von Moritz Meschonat zeigt standortbezogen die in der Nähe befindlichen AKWs an und bietet Links zu weiteren Informationen.

Die APP ist hier gratis im iTunes Store zu bekommen.

AKW-Angestellte sterben häufiger an Krebs

Das „British Medical Journal“ veröffentliche kürzlich eine internationale Langzeitstudie, ob die Arbeit in Atomkraftwerken das Krebsrisiko erhöhen können – und zwar auch ohne bei einem Unfall erhöhter Strahlung ausgesetzt zu sein. Die Forscher werteten dafür die äußerliche Strahlenbelastung von mehr als 300.000 französischen, britischen und amerikanischen Angestellten aus, die in Atomkraftwerken, bei Projekten mit Atomwaffen oder in Forschungslaboren arbeiteten. Im Schnitt begleiteten die Forscher die Mitarbeiter 26 Jahre lang. Die Daten verglichen sie anschließend mit den Krebsfällen in den Sterberegistern des jeweiligen Landes.

In allen drei Ländern gab es ähnliche Ergebnisse: Entgegen der bisherigen Annahme sei es für das Krebsrisiko egal, ob ein Mensch nur kurz hohen radioaktiven Strahlen oder über einen langen Zeitraum einer geringen Strahlenbelastung ausgesetzt wird – so das Forscherteam mit Blick auf eine Studie an den Überlebenden der japanischen Atombombe.

Die Studie zeigt, dass AKW Angestellte einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sind – selbst in intakten Atomkraftwerken. Um so wichtiger, schnellstmöglich aus dieser täglichen Technologie auszusteigen.

Hier der Link zum British Medical Journal.

GRÜNE kritisieren Rückstellungsgutachten

Das von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Gutachten über die Rückstellungen der Atomkonzerne verschleiert nach Ansicht der Grünen die wahren Risiken für den Steuerzahler. „Die Wirtschaftsprüfer haben positive Grundannahmen für die Konzerne unterstellt, und obendrein interpretiert sich die Bundesregierung auch noch die Zahlen schön“, sagte der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Grüne) dem „Spiegel“.

Die Kritik ist nachvollziehbar, so geht das Papier zum Beispiel davon aus, dass Stromkonzerne noch über das Jahr 2060 hinaus Gewinne aus ihren Kohlekraftwerken ziehen könnten. Schwer zu glauben, wenn man sich die aktuellen Pläne der Bundesregierung zum Kohlausstieg ansieht. Oder glaubt die Koalition selbst nicht an eine Umsetzung?

Bild: Atomkraftwerk Leibstadt (c) Wladyslaw Sojka / commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0

AKW Leibstadt bleibt vom Netz

Das Atomkraftwerk Leibstadt bleibt weiterhin vom Netz; dies teilen die Betreiber auf Anfrage der Basler Zeitung mit. Grund ist eine undichte Stelle im Kühlsystem. «Wir suchen noch immer nach der Schwachstelle», sagte Andrea Portmann, Sprecherin der Leibstadt-Betreiber. Die Leibstadt-Betreiber kostet die Abschaltung 1,3 Millionen Franken pro Tag. Entsprecht fieberhaft wird nach dem Leck gesucht.

Auch das AKW Beznau 1 ist seit diesem Frühjahr ausser Betrieb und wird es gemäss seiner Betreiberin, der Axpo, noch bis mindestens im Februar 2016 bleiben. Aktuell werden aufgrund eines Befundes im AKW Beznau auch weitere AKWs auf Materialfehler untersucht. Entsprechend unruhig wird es und er Schweiz, aber auch im benachbarten deutschen Grenzgebiet. So fordern u.a. die deutschen GRÜNEN eine Abschaltung der grenznahen AKWs. Der Druck wächst …

Neue Probleme in Schweizer Atomkraftwerken

In der Schweiz sind bei Tests in mit einem neuen Ultraschallgerät Flecken in den Wänden des Reaktordruckbehälters im AKW Beznau-1 gefunden worden. Worum es sich bei den Flecken handelt ist noch unklar. Jetzt sollen alle AKWs, die von demselben Hersteller beliefert worden sind, untersucht werden. In Deutschland soll kein AKW betroffen sein. Eine Forderung der Grünen, Atomkraftwerke an deutschen Grenzen vorläufig schließen zu lassen, lehnte die Regierung ab.

Mehr dazu u.a. in der WELT von heute.

Wann wird Fessenheim endlich stillgelegt?

Im französischen Rundfunk BFM teilte Yannick Jadot, europäischer Abgeordneter der Grünen, mit, dass die französische Umweltministerin Ségolène Royale sich langsam in eine Ministerin für „nachhaltigen Verzicht“ umwandle. Damit spielt er auf die Ankündigung der Ministerin für nachhaltige Entwicklung vom 8. September an, dass das AKW Fessenheim erst 2018 stillgelegt wird. Diese Entscheidung steht im Kontrast zum Wahlversprechen von Präsident Hollande, der angekündigt hatte, dass die zwei Reaktoren des AKW bis Ende 2016 ausgeschaltet würden. Weiterlesen Wann wird Fessenheim endlich stillgelegt?

Symposium Atommüllrecht am 23.10.2015

Das u.a. auch von der Deutschen Umweltstiftung getragene Fachportal www.atommüllreport.de veranstaltet am 23. Oktober 2015 ein „Symposium Atommüllrecht“ in Hannover.

Dort werden Experten die aktuellen Entwicklungen in einzelnen Bereichen der Atompolitik und im Umgang mit radioaktiven Abfällen in einer Vielzahl von spannenden Vorträgen besprechen und von verschiedenen Standpunkten der Referenten aus bewerten.

Veranstaltungspunkte sind u.a. ein Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Smeddinck (Institut für Rechtswissenschaften, TU Braunschweig) zum Thema „Standortauswahlgesetz und Nationales Entsorgungsprogramm“ oder auch ein Beitrag von Prof. Dr. Felix Ekardt (Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik Leipzig/Berlin), der sich mit der Rechtmäßigkeit des Exports radioaktiver Abfälle auseinandersetzt.

Den ausführlichen Programmablauf erfahren Sie auf der Website (Link hier) – dort finden Sie auch ein Anmeldeformular, in das Sie sich bei Interesse bitte eintragen.

Heute vor 58 Jahren: Brand in der Plutoniumfabrik Windscale

Ein Brand in einem der beiden Reaktoren des Windscale Kraftwerks in Großbritannien, die zur Plutoniumherstellung für Atomwaffen dienen, sorgt 1957 dafür, dass Radioaktivität ungehindert in die Umgebung austreten kann. Durch die riskante Löschung des Reaktors mit Wasser gelangen große Mengen radioaktiver Gase in die Atmosphäre, darunter Iod, Krypton und Xenon.
Zum Schutz der Bevölkerung wird in den Tagen nach dem Brand die gesamte produzierte Milch aus einem Gebiet von 500 qm rund um den Reaktor ins Meer entsorgt. Aufgrund des Brandes und einiger vorangegangener Störfälle wird der Nuklearkomplex in „Sellafield“ umbenannt. Zur Abschaltung kommt es schließlich 1981. Der Vorfall wird auf der INES-Skala mit 5 bewertet.
Bild: Atommüll-Fässer (c) Janos Korom Dr. / commons.wikimedia.org, CC BY-SA 2.0

Heute ist: „Tag des Katastrophenschutzes“

Seit 1989 gibt es den von der UN etablierten „Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung“ als Gedenktag. Er soll dabei als Vermittler zur Förderung einer globalen Kultur zur Verminderung vor allem von Naturkatastrophen dienen.

Zunehmend haben solche Naturkatastrophen jedoch menschliche Ursachen – meist durch den menschenbedingten Klimawandel. Doch es gibt auch Katastrophen, die ganz unmittelbar von uns verursacht wurden, wie es zum Beispiel die lange Geschichte nuklearer Zwischenfälle und Katastrophen belegt.

Seit 1980 wurden allein in Deutschland über 650 meldepflichtige (!) Ereignisse registriert. Weltweit gibt es faktisch jeden Tag mehrere Störfälle. Kein Wunder, dass es auch eine lange Liste von „kleinen“ und großen Katastrophen gibt.

Für Deutschland ist der erste atomare Zwischenfall, bei dem Menschen beeinträchtigt wurden, bereits für 1942 verzeichnet. Im Labor des Experimental-Physikers Prof. Robert Döpel explodierte eine so genannte Uranmaschine unter Verbrennung des eingesetzten Uranpulvers. Zwei Tage dauerten die Löscharbeiten, bei denen Dutzende von Feuerwehrleuten der radioaktiven Strahlung ungeschützt ausgesetzt waren.

Seitdem kam es immer wieder zu Nuklearkatastrophen. Seien diese von Menschenhand bewusst herbeigeführt wie die Kriegsverbrechen von Hiroshima und Nagasaki, sei es durch Unfälle wie in Tschernobyl, Three Mile Island oder jüngst in Fukushima. Es gibt bis heute keine wissenschaftlich fundierte Schätzung der Opferzahlen, zumal gerade die Erfassung langfristiger durch atomare Zwischenfälle bedingte Krebserkrankungen unglaublich schwierig ist. Eine mindestens zweistellige Millionenzahl scheint aber realistisch.

Die Geschichte zeigt: Die Reihe der Katastrophen reißt nicht ab – und in jedem einzelnen Fall versuchen Betreiber und oft auch staatliche Stellen die Krise zu vertuschen oder zu banalisieren. Das gilt für Unfälle in aktiven AKWs ebenso wie in Wiederaufbereitungsanlagen, Zwischenlagern oder im Uranbergbau.