Bild: AKW Thinge | Bild: Michielverbeek | CC BY 2.0

Die Jo-Jo Meiler von Tihange

Das vom belgischen Konzern Electrabel betriebene Kernkraftwerk Tihange liegt nur etwa 70 km südwestlich von Aachen, wurde bereits 1969 konzipiert und 1975 in Betrieb genommen. Das 40 Jahre alte Kernkraftwerk ist somit ein wahrer „Oldtimer“ – und hat seit 2002 eine lange Geschichte von Zwischenfällen aufzuweisen.

Dabei trat teilweise Säure aus, immer wieder musste die Notfallabschaltung greifen und seit 2005 verliert das Abklingbecken des AKWs pro Jahr über 600 Liter radioaktives Wasser – bis heute konnte weder die Ursache ermittelt, noch der Wasserverlust abgestellt werden. 2012 wurde eine Teil des AKWs herunterfahren, weil Risse in den Reaktorbehältern von Tihange 2 und 3 entdeckt wurden. Die Risse existieren heute noch, aber man erklärte sie schlicht zu „unbedeutenden Produktionsfehlern“ und fuhr 2014 Tihange 2 wieder hoch.

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Foto: Shutterstock

Endlagersuche: Thüringen im Fokus?

Ist Thüringen ein möglicher Endlagerstandort? Eine unabhängige Studie der Universität Duisburg-Essen, die der Kommission vorgelegt wurde, zeigt die Vorteile einer Endlagerung in Granit-Gestein unter einer Salzschicht auf. Sie geht davon aus, dass damit die Vorteile von Salz als Wirtsgestein (dichter Verschluss) durch die Kombination mit dem sehr harten Granitgestein dessen Nachteile (Instabilität) ausgleichen. Eine solche Kombination der Gesteinsschichten ist in Deutschland unter anderem in Thüringen in drei Regionen anzutreffen. Dort jedoch sorgte die Studie für erhebliche Aufregung.

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Schadensersatz-Prozess wegen Atommoratorium vertagt

Heute beriet das Landgericht Essen über die Schadenersatzklage von RWE wegen der Zwangsstillegung des Kraftwerks Biblis in Hessen im März 2011. Nach der Katastrophe von Fukushima hatten der Bund und die Länder mit Atomkraftwerken die sieben ältesten Reaktorblöcke zunächst für drei Monate vom Netz genommen. Später folgte der dauerhafte Atomausstieg. RWE will 235 Millionen Euro vom Bund und vom Land Hessen.

Weder RWE noch die Beklagten waren am ersten Prozesstag zu einem Vergleich breit.

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Heute vor 28 Jahren: Entzug der Transportgenehmigung im Nukem Skandal

Das Unternehmen Nukem und deren Tochtergesellschaft Transnuklear GmbH wurden im März 1987 in einen Atomlagerungsskandal verwickelt.

Dabei stellte sich heraus, dass die Tochtergesellschaft illegale Praktiken beim Transport und der Deklaration radioaktiven Abfalls getätigt hatte. Die Enthüllungen bekamen rasch eine große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dabei spielten auch illegale Einfuhren und Bestechungsgelder eine Rolle, sodass die Behörden schließlich zum Eingreifen gezwungen wurden.

Nukem legte daraufhin am 1. Juli 1987 Teile seiner Anlage still und und der damalige hessische Umweltminister Karlheinz Weimar (CDU) entzog Transnuklear am 17. Dezember 1987 die Transportgenehmigung. Aufgrund unerlaubter Lagerung von Atommüllfässern mit hohen Anteilen von Caesium 135, Cobalt 60 und Plutonium sowie großen Zweifeln an der Zuverlässigkeit des Unternehmens folgte im Januar 1988 auch der Entzug der Betriebsgenehmigung für Nukem,

Insgesamt hatte dieser Vorfall nicht nur atomrechtliche Konsequenzen für die beteiligten Unternehmen, sondern auch negative Auswirkungen auf das Bild der Atomwirtschaft in der Öffentlichkeit insgesamt.

Das Unternehmen gibt es übrigens immer noch – nach Umstrukturierungen übernahm 1988 das Washingtoner Verbindungsbüros der Urenco die Leitung bei Nukem, heute gehört es zur kanadischen Cameco Corperation.

Bild: Kernkraftwerk Brunsbüttel – Landseite (c) Steffen Papenbroock, commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0

Heute vor 14 Jahren: Wasserstoffexplosion im Reaktor Brunsbüttel

Am 14. Dezember 2001 ereignete sich der wohl schwerste Störfall in einem deutschen Kernkraftwerk (INES Stufe 1).

Im Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB) kam es zu einer Kühlmittelfreisetzung innerhalb des Sicherheitsbehälters (SHB). Die Freisetzung fand aufgrund einer vorangegangen Knallgasexplosion statt, die wenige Meter vom Reaktordruckbehälter (RDB) entfernt eine Rohrleitung platzen lies. Durch ein unbeschädigtes Absperrventil konnte das Leck nach vier Minuten abgedichtet werden. Gravierend war nicht die Explosion, sondern dass diese in der Nähe des RDBs stattfand.

Die Betreiber des KKB unterließen die Meldung des Vorfalls an die Atomaufsichtsbehörde.

Erst Wochen nach dem Störfall veranlasste das Ministerium Schleswig-Holsteins eine Stellungnahme, da es Auffälligkeiten bei der Analyse der Daten des AKWs festgestellt hatte (die Daten der Überwachungsgeräte werden direkt an das zuständige Ministerium in Kiel übermittelt und dort mitgeschrieben).

Die Betreiber konnten die aufgezeichneten Daten nicht plausibel erklären, sodass das Ministerium eine Untersuchung des Reaktors forderte. Am 21. Februar 2002 wurde das KKB deshalb für die Inspektion abgeschaltet. Im Bericht des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMUB) wird der Befund wie folgt beschrieben:

„Die Befundaufnahme ergab einen größeren Schaden, ein ca. 2,7 m langes Rohrstück der Deckelsprühleitung fehlte. Ursache für den Rohrleitungsabriss war eine Radiolysegasreaktion.
Die betroffene RDB-Deckelsprühleitung ist ein Teilsystem des Reaktorwasserreinigungssystems und hat die betriebliche Aufgabe, beim Abfahren der Anlage die Abkühlzeit zu verkürzen. Im vorliegenden Fall hatte die innerhalb des SHB abgesperrte Schadensstelle keine radiologischen Auswirkungen, eine Freisetzung von radioaktiven Stoffen nach außen war mit dem Ereignis nicht verbunden.“ (BMUB)

Die Konsequenzen der Untersuchung waren laut BMUB:

„Neben dem Wegfall dieser Rohrleitung und der Beseitigung von Schwachstellen bei der Radiolysegasbeherrschung wurden umfangreiche Maßnahmen auf personellem und organisatorischem Gebiet, die der Beseitigung von Defiziten im Sicherheitsmanagement dienen, umgesetzt.“ (BMUB)

Am 25.03.2003, knapp ein Jahr nach der Abschaltung, wurde das AKW wieder in Betrieb genommen und im Juli 2007 endgültig heruntergefahren.

Quelle: Adamek, Sascha: Die Atomlüge. Getäuscht, Vertuscht, Verschwiegen: Wie Politiker und Konzerne die Gefahren der Atomkraft herunterspielen. München: Wilhelm Heyne Verlag 2011.

Heute vor 63 Jahren: Vorfall in Chalk River – der erste große Reaktorunfall

Der erste größere Unfall in einem Kernreaktor ereignet sich am 12. Dezember 1952 in den Chalk River Laboratories in Ontario, Kanada.

Durch menschliches Versagen kommt es im Reaktorkern zu einer partiellen Kernschmelze, welche  wiederum zu einer Knallgasexplosion führt. Durch die Explosion werden mindestens 100 TBq an Spaltprodukten freigesetzt. Um eine Kontamination des nahegelegenen Ottawa Rivers zu verhindern, werden vier Millionen Liter radioaktiv verseuchtes Wasser in eine sandige Sickergrube gepumpt. Dieser Vorfall wird auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) mit 5 bewertet.

 

Universität Texas - Austin Tower

Neue Studie weist auf Risiken bei Endlagerung in Salzgestein hin

Für Wolfgang Ehmke von der von der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ist die Sache klar: Den Befürwortern einer Endlagerung im Salzstock Gorleben sei nun „das Hauptargument weggebrochen“.

Der Anlass, auf den sich Ehmke bezieht: Eine neue Studie von Geophysikern der University of Texas in Austin. Marc Hesse und seine Mitarbeiter haben Bohrkerne untersucht, die von Erdöl­bohrungen im Golf von Mexiko stammten. Die entsprechenden Erdöl­lager befanden sich in einigen Kilometern Tiefe unter Stein­salz­schichten.

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Im Niemandsland der Strahlenkatastrophe

Kinder werden missgebildet geboren, an Landwirtschaft ist nicht zu denken: Nicht nur rund um Tschernobyl und Fukushima sind ganze Regionen unbewohnbar geworden – Nuklearunfälle und Atomtests haben auf fast allen Kontinenten tödliche Spuren hinterlassen. SPIEGEL | EINES TAGES wirft einen beklemmenden Blick auf die Strahlenwüsten dieser Welt: Zur Fotostrecke.

Bild: Warning sign at entry to Hanford Site, Washington (c) en:User:TobinFricke, commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0

Heute vor 66 Jahren: Experiment Green Run

Im Zuge des Experiments „Green Run“ wird am 2. Dezember 1949 auf dem Gelände des militärischen Nuklearkomplexes Hanford Site in den USA eine radioaktive Wolke ausgestoßen.

Für den Ablauf des Versuchs verkürzen die Forscher die Abklingzeit des Urans von den normalerweise veranschlagten ca. 100 Tagen auf 16 Tage.

Dadurch wird das bei der Zersetzung entstehende, radioaktive Gas Jod-131 in großen Mengen ausgestoßen. Die Freisetzung ist durchaus beabsichtigt, denn die  Techniker wollen Messungen zur Stärke der Radioaktivität durchführen.

Jod-131 hat zwar eine sehr geringe Halbwertszeit von 8 Tagen und ist deswegen in der Luft recht schnell unschädlich, kann aber in Bodennähe Vegetation, Tiere und natürlich auch Menschen belasten. Bodenproben in der Umgebung des Geländes weisen zum Zeitpunkt des Versuchs eine Belastung von mehreren zehntausend Becquerel auf.

Zwar wird der Verlauf des Experiments genau dokumentiert, die Informationen werden aber geheim gehalten und gelangen erst Jahre später an die Öffentlichkeit.

Mehr Informationen finden sich hier.