Emmy und der Kern der Dinge

Immer wieder erscheinen Bücher nicht bei den großen Mainstream-Verlagen sondern werden von den Autorinnen und Autoren selbst verlegt. Moderene digitale Drucktechniken und Book on Demand Anbieter machen dies möglich.

Das trägt zur Demokratisierung der Medienlandschaft bei und ermöglicht Publikationen, die sonst wegen zu geringem Leserinteresse oder politischer unbequemer Themen keine Chance auf Veröffentlichung gehabt hätten.

Allerdings legt dies auch die qualitative Messlatte tiefer. Gerade im Eigenverlag erscheinen oft Werke, die gut gemeint, aber nicht gut gemacht sind. Fehlendes Lektorat rächt sich oft und sorgt manchmal für Texte, die  nur schwer lesbar sind.

Das Jugendbuch „Emmy und der Kern der Dinge“ der Autorin Sybille Tetsch ist im Eigenverlag erschienen und ein interessanter Versuch, das Thema Atomenergie in einem Jugendbuch zu präsentieren, das als „Lesebuch“ angeboten wird und eine Mischung aus fiktiver Erzählung und umfangreich recherchiertem Sachbuch ist.

Ein ehrgeiziges Projekt, dass die Autorin engagiert umgesetzt hat, dem man aber an einigen Stellen auch anmerkt, dass eine solche Konstruktion auch manch erfahreneren Autoren überfordert hätte.

Es ist keinesfalls mißlungen. Ob es aber in der Lage ist, Junge Menschen heute an dieses komplexe Thema heranzuführen? Ich bin davon nicht überzeugt.

Die Autorin selbst schreibt in der Werbung für Ihr Buch:

„Ein Lesebuch mit einem gelungenen Spagat zwischen sachlicher Information und spannender Erzählung zu einem aktuellen und drängenden Thema, über das es ansonsten keine altersgerechten Informationen für Kinder und Jugendliche gibt.“

Ähnlich spröde und verschachtelt kommen allerdings  zahlreiche Sätze im Buch selbst daher. Auch die Grundkonstruktion der Rahmenhandlung, der Reise einer 12jährigen an die diversen Schauplätze der Atomwirtschaft in Japan, der Ukraine, dem Irak und anderswo ist nicht wirklich glaubwürdig.

Das ist schade, denn das Thema ist wichtig, spannend und wird die junge Generation (und viele folgende Generationen) noch lange beschäftigen.

Als spannende politische Lektüre dürfte das Buch es – natürlich auch aufgrund der geringen werblichen Möglichkeiten eines Eigenverlages – am Markt schwer haben.

Vielleicht findet sich aber der ein oder andere Lehrer, der es im Unterricht einsetzt. Dafür ist es durchaus zu empfehlen, denn es behandelt ein Thema, dass in der Schule allgemein zu kurz kommt  – und tut es auf einen Weise, die durchaus viele Möglichkeiten zur Bearbeitung im Unterricht bietet. Und spannender als zahlreiche Texte, die die Schulbuchverlage den Kindern heute zumuten, ist das Buch allemal.

„Emmy und der Kern der Dinge“
156 Seiten, 14,8 x 21,0 cm, Soft-Cover, Fadenbindung
14,80 €
Versandkostenfrei bestellbar über: https://www.neureuters.de/bücher-shop/

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