Lesenswert: „Störfälle“ von Gudrun Gülden

In erster Linie ist es ein Entwicklungsroman, aber einer aus einer sehr politischen Zeit, mit einem ebenso politischen Setting:

Deutschland, Januar 1979. Die deutsche Anti-Atomkraftbewegung kommt in Bewegung. In Kleinbeken im Ruhrgebiet ist nicht allzu viel davon zu spüren. Die meiste Zeit hängt die Möchtegernaktivistin Dine mit ihrem Sandkastenfreund Andi vor dem Büdchen ihres Dorfes ab und trinkt Apfelkorn.

Immerhin gibt es ein paar Restschwingungen der Hippieära. Dine und ihre beste Freundin Lissi, beide siebzehn Jahre alt, schließen sich ein paar Hippiejungs an, kiffen, hören Carlos Santana und fahren mit einem Bulli durch die Gegend, nebenbei machen sie Abi. Dine liebt ihren Geschichtslehrer, allerdings liebt der sie nicht. Dann lernt sie Kuba kennen, einen Studenten aus Hamburg und landet schließlich in der „Freien Republik Wendland“ – einem historischen Höhepunkt der Antiatombewegung.

Die Geschichte selbst ist in einer recht einfachen, klaren, schnörkellosen Sprache geschrieben, bietet reichlich Situationskomik und für jeden aus der 60er-Generation auf fast jeder Seite Erinnerungsflashs, oft politisch wie die Antiatomdemos, aber auch kulturell (Glamrock, Baghwan & Co.)

Ein interessante Roman für alle, die damals dabei waren – und für jene, die wissen wollen, wie ihre Eltern damals so tickten. Ein politisches Buch, aber eines mit hohem Unterhaltungswert und ohne jeden moralischen Zeigefinger. Die etwas andere Strandlektüre für den kommenden Sommer:

Gudrun Gülden: Störfälle
epubli Verlag, 2017
368 Seiten, EUR 11,99,-

Im örtlichen Buchhandel (besser) oder bei Amazon (wenn’s sein muss)

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